OVT: Herr Mörtl, die FF Vorderberg stand neben anderen Gail-taler Feuerwehren schon für einen Hilfseinsatz in den Unwetter-Gebieten parat?
Helmut Mörtl: Da wir Mitglied des KAT-Zug II sind, wurden wir im Laufe dieser Tage zweimal alarmiert. Die Einsätze wurden jedoch wegen Gefahr vor Ort wieder abgeblasen. Am 5. August kam übrigens die Absage um 4 Uhr morgens – und alle waren schon marschbereit bis hinauf zu den Obergailtaler Feuerwehren. Wir wären zu Aufräumarbeiten im Gebiet zwischen Völkermarkt und St. Paul im Lavanttal ausgerückt.
Wurden bei Ihnen wieder Erinnerungen an das Hochwasser 2003 wach?
Durchaus. Ich war damals erst wenige Monate Kommandant und es gab nur zwei Möglichkeiten: schwimmen oder untergehen sozusagen. An meiner Seite war auch der einstige Gemeindefeuerwehr-Kommandant und heutige Landeskommandant Rudolf Robin. An dieser Stelle möchte ich auch an letzten Sommer erinnern, wo wir in Treffen und Arriach im Einsatz waren. Und davor – 2016 – war
wiederum Rattendorf landunter.
Wie geht man bei solchen Überschwemmungen vor?
Am Anfang gilt es zu schauen, dass die Sicherheit der Leute gegeben ist. Was umso besser ist, wenn die Leute die Gefahr kommen sehen – anders als damals in Rattendorf, Treffen oder Arriach, wo das Hochwasser in den Nachtstunden kam und man ohne Strom war. Gegen Wasser selbst ist man letztlich machtlos. Wenn das Wasser wieder zurückgeht, beginnen die Aufräumarbeiten, das heißt viel Handarbeit in Gummistiefeln mit Schaufel.
Wird sich das Aufgabengebiet der Feuerwehr wegen dieser nicht mehr zu leugnenden Klimaveränderungen anpassen müssen?
Wir hatten in den letzten Jahren ohnehin bereits mehr technische Einsätze als Brandeinsätze zu bewältigen. Die Brandeinsätze sind zurückgegangen, aber die vielen Feuer in Südeuropa oder Kanada bringen einen diesbezüglich schon zu Nachdenken. Heutzutage werden aber extreme und heftige Niederschläge zum Problem. Man könnte sagen: Je höher die Temperaturen, desto heftiger dann der Niederschlag. Zudem nimmt die Häufigkeit dieser Starkregen zu im Vergleich zu früher.
Hat sich das Feuerwehrwesen im Gegensatz zu früher sehr verändert?
Die Ausbildung hat sich geändert. Schnell gesagt hatte man früher mit drei Grundkursen alles gehabt. Heute hingegen werden die Kurse vielmehr auf mehrere Module aufgebaut. Natürlich ist man auch bei Autounfällen mit Neuem konfrontiert. Die Autos werden heute viel stabiler gebaut und es gibt auch mehr E-Autos. Gerade die sind bei Unfällen spezieller zu behandeln. Größere Feuerwehren wie beispielsweise Arnoldstein oder Villach haben sogar einen eigenen Löschcontainer für E-Autos. Wird dieser Container bei uns gebraucht, ist er in rund 20 Minuten vor Ort.
Welche Anliegen sind Ihnen unter Ihrer Ägide wichtig?
Vor allem die Kameradschaft, wobei diese in den Ortschaften am Land ohnehin gut funktioniert. Es geht natürlich auch immer um die Finanzen. Wir haben z. B. 2001 einen neuen Tankwagen bekommen, der aber 2027 wieder ausgetauscht werden muss. 2005 wurde ein neues FF-Haus gebaut und 2008 ein Gemeinschaftsbus angeschafft. Im Grunde geht‘s ums maximale Erhalten der Gerätschaften. Die Aufgabe des Kommandanten nehme ich noch bis Ende der laufenden Periode wahr, also noch ca. vier Jahre, weshalb schon
einige Junge für denen im Aufbau sind.
Wie sieht es allgemein um den Floriani-Jünger-Nachwuchs bei Ihnen aus?
Da gibt es bei uns keine Sorgen, obwohl wir in Vorderberg keine FF-Jugend haben. Dennoch sind wir gut aufgestellt.
Wie können Sie den Feuerwehrdienst mit ihrem Hauptberuf vereinbaren?
Auf Entgegenkommens-Basis, dann passt es schon. Und wenn die Firma von mir wiederum etwas braucht, bin auch jederzeit zur Stelle.
Welchen Hobbys gehen Sie zum Ausgleich nach?
Ski fahren im Winter, im Sommer radeln. Und als Kommandant habe ich ja auch eine gewisse Anwesenheitspflicht bei den FF-Veranstaltungen im Tal – jedes Wochenende fast.
Wie nehmen Sie den Oberkärntner Volltreffer noch final gefragt wahr?
Da wir ihn leider in Vorderberg nicht bekommen, wenngleich wir zur Gemeinde St. Stefan gehören, sehe ich mir den „Volltreffer“ gerne bei meiner Schwiegermutter in Neudorf oder meiner Schwägerin in Köstendorf an. Vor allem taugt mir, dass die Berichte über den ganzen Oberkärntner Raum verteilt sind. Ich komme ja beruflich und dienstlich öfters ins Drautal und drüber hinaus.
Bild: Löscharbeiten gehören zu den „klassischen“ Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehren. Technische Einsätze haben diese aber in letzter Zeit bereits überholt. Foto: BFK Hermagor/Schoitsch
Sternzeichen: Stier
Ich höre gern (Musik): 90 Prozent Antenne Kärnten, den Rest querbeet
Lieblingsspeise: Kärntner Hausmannskost
Lieblingstier: Unser Golden Retriever-Mischlingsrüde
Lebensmotto: Leben und leben lassen.