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13. Juli 2026

Sportliche Erfolge machen Kids glücklich

Ralf Sommer (67) ist seit dem Vorjahr leitender Trainer der Tischtennis Jugendabteilung der SGS (Spittaler Sportgemeinschaft). Im November startete der reguläre Trainingsbetrieb wieder, und Ende Mai sorgten seine Schützlinge bei den Kärntner Landesmeisterschaften (U 9, U 11, U 12 und U 13 – ca. 64 Teilnehmer) für erste große Erfolge. Der gebürtige Berliner ist Inhaber der C-Lizenz des Deutschen Tischtennis-Bundes. Auch beruflich hat er einen bewegten Werdegang vorzuweisen: Vom Geschichtelehrer über den Betrieb eines mobilen Spielcasinos bis hin zur Mitarbeit bei diversen deutschen Filmen, wie z. B. „Lola rennt“/1997 – diverse „Tatorte“ und zwei Peter Weck-Filmen. Ralf Sommer pendelt zwischen Oberkärnten und Berlin. 

OVT: Herr Sommer, wie sehr freuen Sie die Erfolge Ihrer Schützlinge?

Ralf Sommer: Es kam für mich letztlich nicht mehr so überraschend, denn sie zeigten sich schon erstmals bei einem Turnier in St. Veit im März sehr stark. In Moosburg jedoch, anlässlich der Kärntner Landesmeisterschaften, spielte das ganze Team unglaublich auf. Mit Oskar Schurian (12) unserem „Kreativen“ und Georg Gritschacher (8) unserem „jüngsten Fighter“ gab es sogar zwei Stockerlplätze. Allgemein möchte ich noch sagen, dass unsere Gegner doch ein, zwei Jahre Trainings-Vorsprung gegenüber unserer Truppe haben – mit meiner Co-Trainerin Svetlana Hofer gelang es diesen Vorsprung in kürzester Zeit auszugleichen.

Wie konnten sie ihre Jungs denn fürs Tischtennis gewinnen?

Am Anfang durch Mundpropanda. Erst kürzlich hatten wir wieder einen Neuzugang, somit sind‘s jetzt acht Spieler. Und auch über jedes Mädchen würden wir uns sehr freuen. Dank gilt aber auch den Eltern, denn ohne deren Mithilfe ginge das alles nicht. 

Auf was schauen Sie als Trainer grundsätzlich?

Schlagtechnik und Beinarbeit! Angriff ist im modernen Tischtennis der Weg zum Erfolg. Weiters versuche ich dabei mit Bildern zu arbeiten. Beispiele: Beim Topspin – dem Angriffs-Ball mit Vorwärtsdrall – setzte ich den Kids z. B. Base-Caps auf und lasse sie die Bewegungen mit der jeweiligen Führungshand zig Male machen. Spitzenspieler können übrigens mit rechts oder links gleich stark spielen und im Spiel wechseln. Bei Turnieren zählt schlussendlich aber auch die Tagesform und das Nervenkostüm.

Wie wichtig ist die mentale Stärke?

Es fängt damit an, dass jeder einzelne Punkt gefeiert wird. So wird de facto vom Kleinen zum Großen hingearbeitet. Mittlerweile „pushen“ sich unsere jungen Spieler gegenseitig, verhalten sich dabei oft schon „trainer-like“. All das formt ein tolles Team.  Und für mich ist‘s zusätzlich ein großes Glück, dass ich in Berlin einen Top-Trainer hatte und habe – Steffen Zeitler – der mir bis heute immer wieder Tipps gibt. 

 Wie intensiv haben Sie Ihre Jung-Tischtennisspieler auf Landesmeisterschaften vorbereitet?

Zwei Tage in der Woche mit Trainingseinheiten von eineinhalb bis zwei Stunden – und ohne Handy. Wir haben auch eine Woche eingelegt, in der wir bloß verschiedene Aufschlags-Varianten geübt haben. Ich setze übrigens auch gern auf die
Video-Analyse. Wenn man sich nämlich selbst sieht, kann man schlechte Gewohnheiten leichter ändern. 

Sie würden auch gerne Menschen mit dem Down-Syndrom für das Tischtennis begeistern – warum?

Zum einen hat‘s mit familiären Gründen zu tun. Es gab da einen wunderbaren Menschen, der selbst bei kleinen Erfolgen so viel Freude zeigte, aber mittlerweile verstorben ist. Davon angespornt, kam ich auf den Gedanken Tischtennis „helfend“ einzusetzen. Menschen mit Down-Syndrom haben einfach diese Lust am Gewinnen, gepaart mit einer unglaublichen Freude. Und ein Sieg ist letztlich die schönste Belohnung für sie. 

Wäre das Tischtennis nicht der optimale Inklusion-Sport, da man auch nie direkten Körperkontakt hat?

Das stimmt haargenau. Dar-über hinaus wäre es in vielen Bereichen perfekt einsetzbar. Z. B. bei Alzheimer-, Demenzerkrankung, weil eben an der Platte schnell gedacht, kombiniert und reagiert werden muss. Weiters ist bewiesen, dass es den Verlauf von Parkinson verlangsamt. 

Sie standen auch selbst aktiv an der Platte? Spielten Sie mal gegen Ihren Landsmann Timo Boll. Er war sechs Mal Europameister und gewann 2011 WM-Bronze)?

Nein. Nicht gegen Timo Boll, aber im Urlaub in der Türkei einmal gegen die koreanische Ehefrau eines deutschen 2. Bundesliga-Spieler. Sie war seinerzeit Nr. 10 im Damen-Weltranking. Für uns wurde damals sogar eigens der Ballsaal fürs Training hergerichtet. Ich spielte auch einmal gegen den Ex-Bundestrainer und heutigen DTTB-Vorstand Sport, Richard Prause. Mit Pausen spielte ich über 30 Jahre.

Gäb‘s noch irgendeinen Wunsch, den Sie sich privat erfüllen möchten?

Als Hobbysänger gerne mal mit meinem Berliner Landsmann, Reinhard Mey, ein Lied zu singen. Er ist ein großartiger Texter, und für mich der „König der gesungenen Erzählung“. Einen anderen Wunsch erfülle ich mir momentan mit dem Sprung von Berlin auf den Hühnersberg ins familiäre Umfeld – meine Schwester lebt schon seit 45 Jahren hier glücklich. Und wenn auch ich jetzt noch eine „zweite Hälfte“ finden könnte, das wär‘s doch! 

 

Kurz gefragt:

Ralf Sommer 

(Lendorf, Berlin/D)

Tischtennis-Trainer

Sternzeichen: Krebs, Löwe (Aszendent)

Ich höre gerne (Musik): West Coast Music und gut gemachte deutsche Musik 

Leibgericht: Steirisches Apfelhendl und Coq au Vin

Lieblingstier: Orang-Utan, es sind sehr intelligente, sensible und bedrohte Tiere.

Lebensmotto: Bewahre dir Leichtigkeit und die Neugier!