Mag. Brigitte Stocker (62) stammt aus Gerlamoos bei Steinfeld. Nach der Matura ging sie nach Innsbruck und absolvierte das Studium der Theologie bei den Jesuiten. Ihr Weg führte sie weiter nach Düsseldorf und schließlich nach Hamburg. Beruflich war sie europaweit hauptsächlich als Unternehmensberaterin tätig und kehrte nach 25 Jahren mit ihrem Ehemann Wolfgang nach Kärnten zurück und lebt seit 2013 in Seeboden. Sie ist ausgebildeter Coach nach Viktor Frankl, Dozentin an der FH in Feldkirchen und engagiert sich beim Kiwanis-Club Spittal Porcia. Der nunmehrige Mittelpunkt ihres Schaffens ist das Tageszentrum Möllbrücke, mit dem sie 2016 in Möllbrücke gestartet ist. Am Dienstag, 7. Juli, wird das zehnjährige Bestehen gefeiert.
OVT: Mag. Stocker, Was war einst der Grundgedanke fürs TZMÖ?
Mag. Brigitte Stocker: Ich startete in Kärnten meine Tätigkeit mit dem Aufbau und der Vermarktung eines Pflegeheimes mit 100 Bewohnern. Hier wurde ich von Angehörigen sehr oft gefragt, ob sie Mutter oder Vater nur übers Wochenende oder für eine Woche unterbringen dürfen, damit sie einmal die Tochter in Wien besuchen können ... Ein spontaner OP-Termin wäre wichtig oder ein Kurzurlaub – doch dies war nicht möglich mit der Verpflichtung, pflegebedürftige Eltern zu betreuen.
… und so ergriffen Sie die Initiative!
Ich habe mir gesagt, es muss eine Institution geben, die man buchen kann wie ein Hotel. Zudem wollte ich den Oberkärntnern die Möglichkeit eines Tagesaufenthaltes geben – hier rührt auch der Name „Tageszentrum“ her, damit die pflegenden Angehörigen mal einen Tag für sich haben und Erledigungen machen können. Ich kam immer wieder zum gleichen Schluss – so eine Einrichtung braucht es. So machte ich mich mit einer Kollegin zusammen auf den Weg, all diesen Anforderungen begegnen zu können.
Das TZMÖ könnte man sich als „Hotel“ vorstellen?
Wir sprechen von Gästen und richten uns nach dem Zeitplan der Menschen, die uns für die Pflege und Betreuung anvertraut wurden. Neben einer Pflegestation, die auch tageweise buchbar ist, beherbergt das TZMÖ eine Tagesstätte für Gäste, die nur den Tag im Haus verbringen wollen und Betreutes Wohnen. Physiotherapie, Massagen, Bewegungsrunden und Services rund um den Alltag werden vom Team mit Wertschätzung gegenüber den Gästen und allen Herausforderungen immer wieder aufs Neue in Angriff genommen.
Was erwartet die Besucher zur 10-Jahres-Feier?
Ich habe das Fest „meinem besten Team der Welt“ gewidmet, das ich über alle Massen schätze. Wir starten den Tag mit dem Theaterwagen Porcia und dem Stück „Der Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben“ und danach wollen wir unsere Hausgäste, Angehörigen und Wegbegleiter und Dienstleister mit kulinarischen Köstlichkeiten verwöhnen und ein Glas auf die wertvolle Zusammenarbeit erheben.
Verlief in den zehn Jahren alles nach Wunsch? Welche Ziele haben Sie für die Zukunft?
Ein Großteil meiner Ziele mit dem TZMÖ konnten wir erreichen beziehungsweise sehr gut weiterentwickeln. Mit beharrlichem Streben nach Qualität und Exzellenz ist es uns gelungen, das TZMÖ zu positionieren.
Apropos „Zukunft“: Welchen Herausforderungen sieht man sich generell im Gesundheits- und Pflegebereich gegenüber?
Wie uns allen bekannt ist, kommen die geburtenstarken Jahrgänge auf uns zu und werden die entsprechende Unterstützung benötigen. Wir werden als gemeinsame Anstrengung Alternativen zu Pflegeheimen finden müssen, pflegerische Versorgung sicherstellen und vor allem Präventionsmaßnahmen ausbauen müssen, damit die Menschen im Alter noch lange selbstständig und gesund bleiben.
Andernfalls engagieren Sie sich auch sehr für den Erhalt alter Kirchen. Was war Auslöser hierfür?
Ich bin am Fuße der Gerlamooser Georgskirche mit den außergewöhnlichen Fresken von Meister Thomas von Villach aufgewachsen. Der Platz rund um die Kirche war der „Spielplatz“ meiner Kindheit. Wir Kinder haben den Ort unbewusst anziehend als energiereichen „Kraftort“ erlebt. Der wunderschöne Blick ins Tal verstärkt das Gefühl der Weite und war mit ein Grund für meinen Wunsch, mehr von der Welt sehen zu wollen.
Wie sieht Ihr Einsatz für die Kirchen aus?
Durch die Veranstaltung 2024 in der Athanasiuskirche konnten wir zusammen mit dem „Da 8-Gsong“ und Michael Buchacher einen Beitrag zur Restaurierung der Berger Pfarrkirche leisten. Im letzten Jahr veranstaltete ich einen Abend mit Dr. Arnold Mettnitzer und den Sängern vom „Da 8-Gsong“, Karl Gatterer und Georg Stampfer zugunsten der Fensterrestaurierung. Für mich ist es wichtig, Kirchengebäude jenseits von der Konfession zu unterstützen, da ich möchte, dass die Kraftplätze erhalten bleiben.
Welchen Wunsch hätten Sie privat noch? Eine Weltreise …
Ich habe das Glück, dass ich durch meinen Beruf und persönliches Interesse schon viel von der Welt sehen durfte. Ich bin kulturinteressiert und kunstaffin. Es werden gewiss noch weitere Ideen zur Umsetzung kommen.
Und gerne final gefragt, wie gefällt Ihnen der „Volltreffer“ über all die Jahre?
Mit dem „Oberkärntner Volltreffer“ werden die LeserInnen regional erreicht. Wir wollen wissen, was um uns passiert, auch weil wir die Menschen und Orte kennen, über die berichtet wird. Ich wünsche dem Medium weiterhin sehr viel Erfolg!
Kurz gefragt:
Mag. Brigitte Stocker (Seeboden)
Betreiberin des Tageszentrum Möllbrücke (TZMÖ)
Sternzeichen: Waage
Ich höre gern (Musik): Klassisch und Chorgesang
Lieblingsgetränk: Neben unserem guten Oberkärntner Wasser ein feines Glas Wein in Gemeinschaft
Lieblingsblumen: Rosen und Hortensien
Was mögen Sie nicht: Respektlosigkeit