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28. August 2026

„Gegenseitige Wertschätzung ist das Um und Auf!“

Johannes Hassler (36) ist seit 2019 Trainer beim Schweizer Skiverband Swiss-Ski und arbeitet dort im Weltcup-Team der Männer (Mastery WC GS/Super-G Männer). Damit ist der Drautaler aktuell auch für die Erfolge von Marco Odermatt & Co. mitverantwortlich. Früher ging Hassler selbst als FIS-Skirennfahrer für Österreich an den Start – von der Abfahrt bis zum Slalom. Heute lebt er mit seiner Frau Julia in Berg im Drautal. Die beiden haben drei Kinder: Jonas (5), Elias (4) und Emma (2).

Marco Odermatt inmitten seines erfolgreichen Trainerteams – v. l. Renzo Valsecchi, Helmut Krug, Johannes Hassler und Kurt Kothbauer. Letzterer ist seit März 2024 nicht mehr als Konditionstrainer dort tätig. Foto: Swiss-Ski

OVT: Herr Hassler, wie läuft die Vorbereitung auf die Skisaison 2026/27? Können sich Österreich und die anderen Nationen schon wieder warm anziehen?

Johannes Hassler: Das Sommertraining lief nach Wunsch. Die ersten Tage sind bereits absolviert, und bis jetzt gab es keine Verletzten – alles ist auf Schiene! Wichtig ist vor allem, dass eventuelle Wehwehchen bei den Athleten auskuriert werden und die Kondition wieder aufgebaut wird. Die ist einfach die Basis. Dann ist alles für die ersten Schneecamps bereit.

Zurzeit sind Sie mit dem Team wieder in Chile zum Schneetraining!

Ja, und auf über 3.000 Metern heißt es zunächst wieder, sich an die Höhe zu gewöhnen. Dort hat alles eine andere Intensität – auch das Skifahren. Vor Ort ist nun logischerweise alles auf ein Ziel ausgerichtet: das Niveau des vergangenen Jahres zu halten und sich gleichzeitig weiterzuentwickeln. Dann werden auch die Erfolge wieder kommen.

Wie würden Sie den Lesern Ihre Arbeit als Skitrainer bei Swiss-Ski näherbringen? Was ist Ihre Hauptaufgabe mit den Athleten?

Jedes Training sollte bestmöglich funktionieren, damit unsere Athleten auf Weltklasseniveau performen können. Das beginnt schon in der Früh mit dem Herrichten der Piste durch uns Trainer, gefolgt vom Setzen der Kurse bis hin zum Filmen der Rennläufer. Wir sind die Ersten auf der Piste und kommen oft erst spät in der Nacht wieder vom Berg herunter. Unser großes Ziel ist, dass sich die Sportler sowohl im Rennlauf als auch beim Material qualitativ hochwertig weiterentwickeln können.

Apropos: Das „Pistenherrichten“ kann manchmal eine echte Herausforderung sein.

Das stimmt. Denn die Präparierung der Rennpisten im Weltcup lässt oftmals zu wünschen übrig. Wird nicht bereits rund 14 Tage vorher mit dem Wasserspritzen begonnen, fehlt einfach die notwendige Unterlage. Dann gibt es keine fairen Verhältnisse von der ersten bis zur fünfzigsten Startnummer – und natürlich steigt auch die Verletzungsgefahr. Bei den Klassikern wie Kitzbühel, Wengen, Adelboden oder Schladming gibt es diese Probleme hingegen nicht.

Inwieweit muss die Zusammenarbeit zwischen Trainer und Rennläufer passen?

Grundvoraussetzung ist die gegenseitige Wertschätzung. Man darf nicht vergessen, dass man sehr viel Zeit miteinander verbringt – oftmals mehr als mit der eigenen Familie. Natürlich spielt auch der Führungsstil eine wichtige Rolle. Letztlich feiern wir Siege gemeinsam, sind aber genauso bei Niederlagen füreinander da. So entsteht eine gute Gruppendynamik.

Unterm Strich haben Trainer und Rennläufer dasselbe Ziel: den Erfolg. Ein Rennen fährt aber der Trainer nicht. Dort muss der Läufer das Erlernte umsetzen und selbst auf den Punkt bringen. Bei den 30 Topfahrern läuft es genau nach diesem erprobten Muster: Umfeld und Läufer stimmen im Training alles bestmöglich auf den Rennlauf ab.

Es heißt ja, der Riesenslalom sei die Basis des Skifahrens. Warum?

Weil er dem sehr nahekommt, was sich der Laie unter Skifahren vorstellt. Im Riesentorlauf muss die Kurventechnik perfektioniert werden. Wird diese auf hohem Niveau eingesetzt, bildet sie auch die Basis für Abfahrt und Super-G. Der Slalom ist für mich hingegen eine andere Disziplin.

Als Österreicher bei Swiss-Ski – hat da der Heimat-Patriotismus ein bissl Platz?

Lassen Sie es mich vielleicht so beantworten: Aus sportlicher Sicht hat er keinen Platz, weil man zu 100 Prozent hinter seinen Jungs steht – anders würde es auch nicht funktionieren. Aus privater Sicht gönne ich jedem Einzelnen den Erfolg, denn jeder hat große Mühen auf sich genommen, um dorthin zu kommen. Stefan „Brendi“ Brennsteiner etwa hat aufgrund seines Verletzungspechs einiges vorzuweisen und schafft es trotzdem immer wieder zurück. In Summe dominiert so etwas wie gesunder Respekt über die Nationen hinweg. Jeder gönnt und honoriert dem anderen seinen Erfolg.

Sie waren einst selbst Rennläufer – war der Schritt zum Trainer letztlich vorgezeichnet?

Ich habe mit 18 Jahren aufgehört, wusste aber, dass ich dem Skisport – meiner großen Leidenschaft – verbunden bleiben wollte. Deshalb machte ich die Ausbildung zum staatlichen Skilehrer und C-Trainer und war auch im Bundessportzentrum Maria Alm-Hintermoos tätig. Danach war ich als Skitrainer in Australien.

2018 war ich beim chinesischen Skiverband im Zuge der Vorbereitungen für das Projekt „Olympia 2022 Peking“. Dieses Projekt scheiterte jedoch. In dieser Zeit war ich mit dem chinesischen Skiteam auch auf der Reiteralm in der Steiermark – ein optimaler Trainingsort für viele, weil einfach das gesamte Umfeld passt. Dort habe ich unter anderem auch gemeinsam mit den Schweizern die Pisten hergerichtet.

Damals lernte ich Helmut „Heli“ Krug kennen, den Gruppentrainer Mastery WC GS/Super-G Männer. Er kommt aus Leutasch in Nordtirol, und das Riesenslalom-Trainer- und Serviceteam besteht zu einem großen Teil aus Österreichern. Und wie es im Leben so spielt, bekam ich eines Tages einen Anruf von ihm!

Andernfalls: Welchen Wunsch hätten Sie privat noch?

Ich bin im Großen und Ganzen sehr zufrieden. Natürlich ist mir die Gesundheit meiner Familie besonders wichtig. Außerdem ist es mein Ziel, auch in Zukunft immer aktiv zu bleiben.

Wie nehmen Sie wiederum den „Oberkärntner Volltreffer“ bei Ihren Heimat-Aufenthalten wahr?

Immer wieder, wenn ich im Jahreslauf zu Hause bin, bekomme ich den „Volltreffer“ schon einmal in die Hände. Es sind beispielsweise interessante Interviews darin zu finden, und überhaupt ist es nett, darin zu stöbern.

Und Sie sind ja darüber hinaus ohnehin gern Oberkärntner!

… und deshalb bin ich auch „unfassbar“ gern daheim, gerade wenn man so viel unterwegs ist wie ich. Wir haben doch alles in unserer Oberkärntner Bergwelt – außer dem Meer. Aber auch dort wäre man in zweieinhalb Stunden.

 

Kurz gefragt:

Johannes Hassler

(Berg)

Skitrainer

Sternzeichen: Krebs

Ich höre gerne (Musik): Quer durch die Palette

Leibgericht: Erdäpfel-Krapfen

Lieblingstier: Gepard

„Kleines Laster“: Käse