Manuela und Michel Widmer treten seit 2012 international erfolgreich als Clown-Duo „Manuschka & Michelino“ auf. Das deutsch-österreichische Paar gründete auch die „Theaterschachtel Hallein“ für Kinder- und Familientheater zum Anschauen und Mitmachen (von 1997 bis 2025). Im heurigen Frühjahr übersiedelten sie von Salzburg nach Millstatt, wo die beiden Komödianten auch im Alten Theaterhaus im Klostergarten Millstatt bereits die ersten Auftritte mit ihren Programmen hatten.
OVT: Frau Widmer, wie blicken Sie auf Ihre ersten Auftritte heuer in Oberkärnten zurück? Merken Sie da Mentalitätsunterschiede zwischen „Drüber und Drunter“ der Alpen in Österreich?
Manuela Widmer: Definitiv nein! Das Publikum – Kinder wie Erwachsene – ist lebendig dabei gewesen. Es wurde viel gelächelt, gelacht und gestaunt. Wir haben uns sofort wohl gefühlt.
OVT: Herr Widmer, was macht die Faszination „Clown“ aus? Seit 1986 sind Sie als Clown „Michelino“ aktiv – war das ein Kinderwunsch?
Michel Widmer: Nein, es war kein Kinderwunsch. Durch meine Arbeit mit Kindern und den ersten Bühnenversuchen entdeckte ich den Clown in mir erst mit Ende 20 und dann brauchte es auch Jahre der Entwicklung und Reifung durch Probenarbeit, Fortbildungen, Auftritte und meine vielen Jahre als Clowndoktor in Salzburgs Krankenhäusern. Das Weiterentwickeln hört nie auf.
Frau Widmer, wie sind die Rollen bei Ihnen auf der Bühne verteilt? Wer ist vielleicht der „Erklärendere“, wer der „Lustigere“?
Wir bemühen uns bei unserem Spiel miteinander um eine Balance. Früher gab es die Rollen des „Weissclowns“, der der Schlauere war und die Rolle des „Dummen
August“ mit der roten Nase, der ewige Verlierer. Diese Rollenzuteilung ist im heutigen Clownstheater nicht mehr aktuell. Wir gestalten unsere Szenen mit ständigem „Statuswechsel“, d. h. einmal hat Michelino die Oberhand und dann wieder Manuschka. Und am Ende jeder Szene finden wir schließlich einen clownesken Konsens, der das Publikum zum Staunen und Lachen bringt.
Herr Widmer, wo holen Sie sich die Ideen für Ihre Stücke?
Wir denken über ein Thema nach, z. B. das Aufräumen, das Überraschen oder die Gesundheit und sammeln Ideen drumherum, die dann in Proben ausgetestet und so allmählich entwickelt und in einen dramaturgischen Bogen eingebaut werden. Dabei spielen unsere Musikinstrumente, Jonglierbälle, Koffer und besondere Requisiten auch als Ideengeber immer eine wichtige Rolle.
Frau Widmer, welche „Voraussetzungen“ braucht ein Clown? In Zeiten wie diesen bräucht‘s ja „Aufmunterer“! Wie „ernst“ darf ein Clown sein?
Sicher ist eine gewisse körperlich-geistig-emotionale Beweglichkeit von grundlegender Bedeutung, aber auch Neugierde und die Kunst, über sich selbst lachen zu können. Ja, natürlich wollen wir aufmuntern, aber auch berühren und da wird es in unseren Stücken durchaus auch mal „ernst“, oder besser gesagt
„poetisch“. Unser Publikum merkt das genau – auch eine ganze Turnhalle mit 200 Volksschulkindern! Es wird dann plötzlich ganz still. Das sind starke Momente, die ich sehr mag.
Herr Widmer, Charlie Rivel, der bekannte spanische Clown, ging z. B. nicht in klassischen Ruhestand – lässt einen der „Clown“ nie ganz los?
Nicht nur Charlie Rivel, auch Grock und Dimitri und viele
andere Clowns spielten bis ins hohe Alter, und für das Publikum ist das Alter des Clowns nicht wichtig, solange sie oder er intensiv und emotional berühren können. Für uns ist es ungemein belebend und erfüllend, für ein Publikum da zu sein und mit ihm in Kontakt zu treten. Besonders lieben wir Kindergarten- und Schulvorstellungen.
Frau Widmer, Sie waren Universitätslehrerin für Elementare Musik- & Tanzpädagogik, sind aber weiterhin international als Lehrerfortbildnerin und Vortragende tätig. Stimmt „Wer rastet, der rostet!“ ein bisschen?
Aber ja, unbedingt! Mir gefällt an meinem Leben, dass ich immer noch die Möglichkeit habe, so vielseitig unterwegs zu sein. Einerseits das Schreiben von Fachbüchern und das Vorbereiten von Workshops und Vorträgen am Schreibtisch und dann das praktische Tun, die Begegnung mit immer wieder neuen Menschen, ob im pädagogischen oder künstlerischen Arbeitsfeld. Manchmal vergesse ich regelrecht, wie alt ich bin!
Herr Widmer, Sie sind Sozialpädagoge mit Schwerpunkt Musik und Theater und freier Theatermacher – ist „Michelino“ eine Facette davon?
Humor gehört für mich zu allen Theaterarbeiten, auch den ernsteren, an denen ich beteiligt war oder die ich herausgebracht habe. Aber der Clown ist mir besonders ans Herz gewachsen oder besser – ich bin im Laufe der Zeit immer mehr in Michelino hineingewachsen. Michelino ist eine zweite Ausprägung meiner Persönlichkeit.
Frau Widmer, welchem Hobby frönen Sie zum Bühnen-Ausgleich?
Das Schwimmen und Kajakfahren am wunderschönen Millstätter See, aber auch am Meer und das Lesen und Schreiben sind für mich belebende Aktivitäten und wenn das Wetter kühler wird, dann bin ich mit meinen Walkingstöcken viele Kilometer am See entlang unterwegs. Das macht den Kopf frei und das Gemüt fröhlich.
Herr Widmer, hielten Sie den „Oberkärntner Volltreffer“ schon mal in Händen? Wie
gefällt er Ihnen?
Manchmal haben wir ihn im Briefkasten und lesen immer mit Interesse, was um uns herum passiert. Es ist uns wichtig, gut informiert zu sein.
Kurz gefragt:
Michel Widmer (Millstatt)
Sozialpädagoge mit Schwerpunkt Musik und Theatermacher sowie Clown
Sternzeichen: Steinbock
Ich höre gern (Musik): Blues, R & B, Roots Music, World Music, Gitarrenmusik und vieles mehr
Lieblingsessen: Pasta in allen Variationen
Lieblingsbaum: Trauerweide
Glücksbringer: meine Gitarren
Kurz gefragt:
Manuela Widmer (Millstatt)
Lehrerfortbildnerin für Musik- und Tanzpädagogik, Autorin und Vortragende
Sternzeichen: Wassermann
Ich schaue gern (TV, Film): Gute Krimiserien und Kinobesuche (am liebsten im Millstätter Kino)
Lieblingsgetränk: Soda-Zitron
Lieblingsblume: Vergissmeinnicht
Was mögen Sie nicht: Laubbläser und andere Krachmacher