Engelbert Huber (53) und Manfred Gartner (69) gehen bei alten Obstbäumen gemeinsam zur Sache. Engelbert Huber hat dafür auf seinem Anwesen in Gröfelehof eine Anlage fürs Wachstum parat und ist letztlich fürs flüssige Produkt verantwortlich – Manfred Gartner sorgt mit seinem Wissen und den Veredelungs-Fertigkeiten für das optimale „Teamwork“. Am 11. April rufen die „Obstbaum-Flüsterer“ zum Obstbaumschnitt samt Verkostung und Kulinarik in die Obstanlage. Engelbert Huber hat einen Sohn und ist Single, Manfred Gartner lebt mit Ehefrau Heidi und Tochter Nicole in Dellach.
OVT: Herr Huber, der Beginn Ihrer Freundschaft ist ja eigentlich schon einige Zeit her!
Engelbert Huber: Das stimmt, und das hat mit dem Eisstockschießen bei uns zu tun. Vor rund 30 Jahren standen wir nämlich gemeinsam auf der Bahn und lernten uns so kennen. Von Anfang an scheint die Chemie einfach gestimmt zu haben. Allerdings Eisstockschießen tun wir beide nicht mehr.
OVT: Herr Gartner, wie erfolgte schließlich der Startschuss zu Ihrem Teamwork?
Manfred Gartner: Richtig Freunde sind wir dann über Engelberts Mutter geworden, die vor ca. zehn Jahren Obstbäume setzen wollte und mich vom hiesigen Obstbauverein her kannte. Nach einem Anruf Engelberts hieß es schließlich „probier‘ mas mit Williams amol?“ Es wurden 100 Birnen- („Rote William“) und 30 Apfelbäume zum Start gekauft. Zwei Jahre später erreichten wir schon in etwa unseren heutigen Stand mit 460 Birnenbäumen und 120 Apfelbäumen, dazu noch Zwetschke, Marille, Blaubeerensträucher und zuletzt kamen 30 Vogelbeerbäume hinzu.
Herr Huber, wie wurden Sie denn zum Edelbrand-Brenner?
Am Land gehört ja das Schnapsbrennen dazu. Ich kannte es zudem bereits von meinem Großvater und meinem Vater, es war also schon „Tradition“. Vor ca. zehn Jahren begann ich mit der Edelbrennerei, d. h. Qualität statt Quantität: Sauberes arbeiten von der Ernte bis zum Endprodukt, mehrjährige Lagerung in Glasballons und Holzfässern – und dann ging‘s so richtig los damit.
Herr Gartner, wann ist nun die beste Zeit, um Bäume zu veredeln?
Mit Feber und Mai gibt es zwei grundsätzliche Möglichkeiten. Im Feber hat man verschiedene Techniken – darunter das „Pelzen“, wo eine Sorte auf die andere aufgesetzt wird. Die andere Methode im Mai geht so, dass man dabei die Rinde vom Baum löst. All dieses zeige ich übrigens Interessierten am 9. Mai in meinem Garten in Dellach, wo ich zu einem Obstbaum-Veredelungskurs unter dem Motto „Die Kunst des ,Pelzens‘
rufe.
Herr Huber, dabei ist bestimmt Fingerspitzengefühl gefragt. Beim Obstbau braucht es aber auch noch weiteres „Know-how“.
Wir stellen etwa in der Anlage Insektenhotels auf. Das sind künstliche Nisthilfen, die einen Unterschlupf aus Naturmaterialien anbieten, wo sich Wildbienen, Marienkäfer und anderen Nützlinge das ganze Jahr über einnisten können. Im Grunde genommen versucht man so den Ausgleich zwischen Nützlingen, wie auch der Woltschger (Maulwurf) genannt, und Schädlingen zu schaffen. Ziel ist nachhaltig zu wirtschaften.
Herr Gartner, wie funktioniert Baumveredelung im Ganzen, wie hoch ist die „Erfolgs-Quote“ letztlich?
Der Edelreiser (der einjährige Trieb) wird im Jänner, Feber vom Mutterbaum entnommen und dann bis zur Veredelung eingelagert. Meist geschieht dies in kühlen Kellern, wo sie im leicht-feuchten Sand frisch gehalten werden. Nach zwei, drei Wochen sieht man dann, ob‘s geglückt ist. Die Erfolgsquote liegt meiner Erfahrung als ausgebildeter Baumwärter nach bei 98 Prozent. Die fehlenden zwei Prozent hängen mit den Wetterverhältnissen zusammen – gibt es eine Trockenheit oder setzt sich etwa ein Vogel auf eine Veredelung drauf.
Herr Huber, was sind die wichtigsten Schritte für Sie als Verarbeiter?
Das Obst wird reif geerntet, gewaschen, zur Nachreifung eingelagert und danach eingemaischt. Die Vergärung läuft zwei bis vier Wochen, anschließend sollte sofort gebrannt werden, um die Aromen zu erhalten. Z. B. bei der Williamsbirne wird jeder Stiel von Hand entfernt, um ein Qualitätsprodukt zu erhalten – und dass bei einer 4.000 Kilogramm-Ernte. Da braucht‘s auch „Helfer“, wie
Familie, Verwandtschaft oder Freunde.
Herr Gartner, wie hoch ist die Erfolgsquote bei der Kultivierung Ihrer Kastanienbäume und Ihrer Obstbäume generell?
Ich bin immer noch dran, weil sie mir am Herzen liegen. Kastanienbäume wären hierzulande heimisch und sind gerade auch mit dem Blick Richtung Zukunft perfekt – sie sind nämlich klima-resistent. Ich beziehe meine Kastanienbäume aus Südtirol. Von dort beziehe ich ebenfalls Obstbäume im Erwerbsobstbau, wie die „Spindel“, die besonders für kleine Gärten, Reihenpflanzungen oder als Spalier geeignet sind. Streu-Obstbäume (Halb- und Hochstämme) hole ich mir wiederum aus der Steiermark.
Herr Huber, Veredelungs-brände werden ja auch prämiert – wie sieht‘s da hierzulande denn aus?
Ja, das findet bei den „Kärntner Mostbarkeiten“ in St. Paul im Lavanttal statt. Dort nehmen Brenner aus Deutschland, Italien, Slowenien und ganz Österreich teil. Bislang habe ich rund zehn Auszeichnungen erhalten, in Gold, Silber und Bronze.
Herr Gartner, welchen Wunsch hätten Sie privat noch?
Ich möchte vor allem mein Wissen, meine Erfahrungen mit Veredelungen bei Obstbäumen zum Beispiel gerne weitergeben.
Herr Huber, und wie gefällt Ihnen der OVT gern abschließend gefragt?
Der „Volltreffer“ hat immer sehr interessante Sachen drinnen. Er ist übersichtlich gemacht und verständlich geschrieben.
Kurz gefragt:
Manfred Gartner (Dellach/Drau)
Edelbrand-Brenner & Baumwärter36
Sternzeichen: Widder
Ich schaue gern (TV, Film): -Dokus und Kultursendungen, -Südtirol -heute
Leibgericht: Fleisch- und -Erdäpfelkrapfen
Lieblingsblume: Winterlinge – sie sind die erste Bienen--nahrung im Jahr.
Glücksbringer: Ein Anhängsel aus Maria Luggau, dass mir einst meine Eltern von dort -mit-brachten.
Engelbert Huber (Irschen)
Edelbrand-Brenner & -Baumwärter36
Sternzeichen: Widder
Ich höre gern (Musik): querbeet Radio Kärnten
Lieblingsgetränk: Wasser
V. l.: Manfred Gartner und Engelbert Huber – so gehen sie am Schnapsbrennkessel zu Werke.
und manchmal ein -Stamperl Enzianschnaps
Lieblingstiere: Hummeln und Bienen, sind alle -Bestäuber
Lebensmotto: Ich bin stets motiviert und lebensfroh -zugange!