Eine „literarische Wanderung“ mit dem bekannten Schriftsteller Engelbert Obernosterer (Jg. 1936), der Autorin Christine Zuccelli, der Germanistin Dr. Doris Moser und einer Gruppe Interessierter führte kürzlich von St. Lorenzen/Lesachtal zur gegenüber und höher gelegenen Ortschaft Frohn und zum Frohner Kirchl (1.323 m Höhe).
Von Karl Brunner
Eine geplante Erkundung: in Frohn steht Obernosterers Elternhaus und der Weg nach bzw. von St. Lorenzen dorthin, das war seinerzeit sein weiter Schulweg, den er mit anderen Kindern täglich hin und zurück zu gehen hatte. Eine Stunde und mehr dauerte der damalige Fußmarsch (in einer Richtung), oft und zumal im Winter dauerte er länger und war sehr strapaziös. Nach der Schule galt es dann auch noch, am Bauernhof mitzuarbeiten. Viele Erlebnisse aus Engelberts Kinder- und Jugendzeit waren bei dieser Wanderung von Obernosterer selbst zu erfahren, immer wieder wurden fürs Lesach- und Gailtal bzw. für das ländliche, bäuerliche und stark kirchlich geprägte Leben charakteristische Textstellen aus einigen seiner inzwischen 26 Büchern (!) kurz vorgelesen. Obernosterer gibt über Beschaffenheiten Auskunft, er lege „mit Lupe und Röntgenblick“ die Tiefenstruktur seiner Umgebung frei, wie es Dr. Moser einmal ausgedrückt hat.
„Mythos Lesachtal“
Organisiert wurde diese literarische Wanderung von der Germanistin Dr. Doris Moser (Universität Klagenfurt) zusammen mit Christine Zuccelli, die gleich zu Beginn Obernosterer der kundigen Wandergruppe (Obernosterer-Fans) nur kurz vorzustellen brauchte. Die Autorin Zucchelli hat soeben ein Buch über „Literarische Wanderungen in Kärnten“ mit dem Titel „Mein Weg. Moja pot.“ (Drava-Verlag) herausgebracht. Zucchelli, eine Tirolerin mit Kärntner Wurzeln, ist Ethnologin, Kulturvermittlerin und Herausgeberin von Reiseanthologien. Ihr literarisches Wanderbuch enthält 30 leichte bis mittelschwere Tal- und Bergwanderungen, dazu Tourenbeschreibungen, Kartenskizzen, Hinweise auf Sehenswertes, dabei stets „wandernd“ auf den Spuren von Schreibenden der Gegenwart und der Vergangenheit unterwegs und mit den Augen der Literatur betrachtend. Darin findet sich auch die besagte (Rund-)Wanderung im Lesachtal, also von St. Lorenzen nach Oberfrohn (Obernosterers Heimat) und weiter nach Maria Luggau (hier mit Bezügen zu Heimatforscher Thomas Tiefenbacher) und zurück nach St. Lorenzen. „Der Mythos vom stillen Tal“, so nennt Zucchelli diese Wanderung, angelehnt an das Buch von Obernosterer „Mythos Lesachtal“ (kitab); aus diesem Buch (es handelt vom Paradigma eines Umbruchs, „vom Magischen ins Technische“) gab sie einige Miniaturen zum Besten, weiters aus den Büchern „Ortsbestimmung“, „Grün. Eine Verstrickung“, „Vom Ende der Steinhocker“ u.a.m. Obernosterer kennzeichnet sein freier, sensibler Blick auf das soziale Gefüge, ihn interessieren nicht Wertungen, sondern die verschiedenen Denkweisen. Und mit berglerischer Zähigkeit blieb er in seine Ursprünge verkrallt, wie es einmal formuliert wurde.
Blick hinter die Idylle
Die Autorin bezeichnet Obernosterer als „literarischen Flurwächter des Lesachtals“, der mit feinsinnigem Humor hinter die Fassade der ländlichen Idylle blickt. Dr. Doris Moser meinte, dass man das Lesachtal und Obernosterer überhaupt oder jedenfalls besser verstehen werde, wenn man sein „Mythos“-Buch kenne und ebenso auch das wunderschöne Tal selbst erwandere. Moser informierte auch über das diesjährige Kärntner Kulturjahr, das speziell dem Schwerpunkt Literatur gewidmet ist. Beim Frohner Kirchl fand diese Wanderung einen herrlichen Abschluss mit genussvoller Kulinarik (zubereitet von Obernosterers Verwandten vulgo Unterfasolter) bei traumhafter Fernsicht ins Lesachtal und auf die Bergwelt ringsum. Der mehrfach ausgezeichnete Schriftsteller Obernosterer war beruflich als Lehrer und Kunsterzieher an verschiedenen Schulen des Gailtals tätig. Er wohnt in Mitschig bei Hermagor.