Tosenden Applaus gab es für das insgesamt sechs Mal aufgeführte Theaterstück „Radetzkymarsch“ von Joseph Roth im Rahmen des Kulturfestivals „Bühne der Macht“- Südalpenraum St. Daniel im Gailtal - im großen Theaterzelt und auf großer Bühne.
Von Karl Brunner
In ihren Rollen brillierten die Schauspielerinnen und Schauspieler, Eduard Wildner, Matthias Mamedof, Elisabeth Engstler, Alina Fritsch, Nikolas Barton und die mitwirkende Theatergruppe Dellach. Die Bühnenfassung von Cornelia Rainer konzentriert Roths vielschichtigen Roman auf seine zentralen Figuren, Konflikte und Motive. Szenen werden verdichtet, Figuren zusammengeführt und neue Übergänge geschaffen. Eine Besonderheit dabei: Die Inszenierung wurde um filmische und dokumentarische Ebenen erweitert. Junge Menschen und Erwachsene aus der Region treten mit ihren eigenen Erfahrungen in einen Dialog mit Roths Figuren. Vergangenheit und Gegenwart begegnen einander als gemeinsames Nachdenken über Herkunft, Macht, Freiheit und die Frage nach der eigenen Lebensgestaltung. Rainer interessieren die Fragen nach persönlicher Orientierung, nach selbstbestimmter Lebensführung und wie sich eine Zeit anfühlt, kurz bevor sie verschwindet. „Nicht zu fragen, was wir übernehmen müssen, sondern, was wir wirklich weitertragen wollen“, sieht Rainer als die Herausforderung des Romans.
„Gesamt-Kulturpaket“
Die bekannte, aus Osttirol stammende Regisseurin und Autorin Cornelia Rainer: Im Südalpenraum begegnen sich Kunst und Philosophie, Generationen und Lebenswelten, Vergangenheit und Gegenwart. „Besonders wichtig ist uns dabei der Dialog zwischen jüngeren und älteren Generationen sowie zwischen unterschiedlichen Kulturen. Dafür schaffen wir Raum“. Die „Bühne der Macht“ hat das Ziel, Theater, Philosophie und persönliche Erfahrung zu einem gemeinsamen Denkraum zu verbinden, in dem aus einer künstlerischen Erfahrung ein gesellschaftliches Gespräch entstehen kann. Laura Achenbach, Heidemarie Bennet-Vahle, Cornelia Mooslechner-Brüll und Gerd Forcher waren die gefragten Gesprächspartner mit philosophischer Praxis, also die Philosophinnen und der Philosoph (mit Themenvielfalt von Macht über Freiheit, Verantwortung zu Orientierung usw.). Das war heuer die zweite Ausgabe von „Bühne der Macht“, die das von Nah und Fern kommende Publikum faszinierte. Einzigartiges „Gesamt-Kulturpaket“ im oberen Gailtal. Man wünscht sich, dass diesem Festival, das mehr als ein Festival war und ist, weitere Ausgaben hier in den nächsten Jahren folgen mögen.