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08. Oktober 2026

Ausstellung „Funde aus dem Eis“

Der Montanhistoriker, Geologe, Saurierforscher und Naturdenker Dr. Georg Kandutsch hat die hochinteressante Ausstellung „Passheiligtum Hochtor“ an der Großglocker Hochalpenstaße (neben Hochtor-Südportal) mit der wissenschaftlichen Aufbereitung der zahlreichen Fundstücke gestaltet und diese konnte er kürzlich noch um besondere Fundstücke erweitern.

Von Karl Brunner

Zwei Kopfbedeckungen (16. Jht.) für Knappen (links ein Barett aus Wolle, rechts ein Filzhut) vom Alteck aus 2.900 m Seehöhe geborgen. Foto: gk

Das Hochtor an der Großglockner Hochalpenstraße war schon einst ein sehr wichtiger Ort. Als Kelten und Römer die Tauern zu Fuß überquerten, befand sich hier ein Passheiligtum. Übrigens, schon als Gymnasialschüler hatte Kandutsch erstmals eine Abbildung vom Herkules vom Hochtor gesehen. Damals natürlich ohne eine Vorstellung davon zu haben, dass er hier einmal eine Ausstellung gestalten wird. Der Weg über den Alpenpass war einst für die Reisenden sehr kräftezehrend und wegen unvorhergesehener Wetterumschwünge sehr gefährlich. Hier rief man die Götter um Hilfe und Beistand an. Später dann transportierten mittelalterliche Säumer auf dieser Handelsroute mediterrane Luxusgüter wie Wein, Glas und feinste Stoffe nach Salzburg im Tausch gegen Salz, Edelmetalle u.a.m. Die von Kandutsch erweiterte Ausstellung nennt sich „Funde aus dem Eis".  Dabei werden einige Raritäten aus den mittelalterlichen bis frühneuzeitlichen Goldbergbauen der Hohen Tauern ausgestellt.

Unglaubliche Zeitreise

Diese Goldbergbaue, die bis über 3.000 m Seehöhe hinaufreichen, gehören zu den höchsten Bergbauen der gesamten Alpen. Die Klimaerwärmung erreicht nun fast die Werte, die im Spätmittelalter und bis zum Beginn der Neuzeit herrschten, so Kandutsch. Aus dem Eis wurden zwei Haspel geborgen (Fördervorrichtung für Erze aus Schächten). Eine stammt vom Alteck und wurde von zwei Männern bedient. Sie ist in der neuen Ausstellung am Hochtor ausgestellt. Dem vielseitigen Forscher Kandutsch selbst sind sensationelle Funde gelungen. Eine zweite Haspel wurde in einem vereisten, bislang unbekannten Bergbau in einer Felswand am Hocharn im Kleinen Fleißtal entdeckt. Sie wurde von einem Mann im Inneren eines Schachtes bedient. Weiters wurden ein perfekter Grubenhunt in einem Stollen der Goldzeche geborgen und aufwendig konserviert (ebenfalls am Hochtor ausgestellt). Viele weitere Funde wie Bestecke, Kacheln, Textilien, Werkzeuge etc. lassen darauf schließen, dass die Klimaverschlechterung, die mit der kältesten Phase der letzten 10.000 Jahren, der Kleinen Eiszeit um 1850 ihren Höhepunkt erreichte, sehr plötzlich eintrat. Bei einem geordneten Auflassen der Bergbaue wären alle wiederverwertbaren Materialien und Objekte zu Tal gebracht worden. Der Naturforscher Belsazar Hacquet beschreibt in seiner auch nach Kärnten und zum Glockner führenden "Mineralogisch-botanischen Lustreise…“ (1784) wie die Knappen die Häuser direkt auf die Stolleneingänge bauen, um das Eineisen zu verhindern. Kandutsch betreibt diese montanhistorischen Forschungen auf eigene Kosten (natürlich mit Meldungen an das Bundesdenkmalamt). Mit der Uni Innsbruck (Prof. Stadler, Mag. Nutz) hat er ein Forschungsprojekt zu den Textilien dieser Bergbaue durchgeführt.  Ausstellungsmacher Kandutsch: „Es scheint sich niemand für diese einmalige Gelegenheit zur Arbeit und Lebensweise der hochalpinen Goldbergwerks-Knappen zu interessieren. Wenn diese Objekte aus dem Eis freitauen, werden sie in kürzester Zeit zerstört. Beim Auftauen des Permafrostes werden auch die Ruinenreste und Mundlöcher verschüttet.“

 

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