Mitte Mai sorgte ein kräftiger Kälteeinbruch gebietsweise für Allzeit-Kälterekorde, Isothermie und kalte Höhenluft ließen den Schnee gebietsweise tief in die Täler hinabreichen. Das Kälteintermezzo war jedoch nur von kurzer Dauer: Nur wenige Tage später mündete das Wetter in die größte und längste flächendeckende Mai-Hitzewelle, die Oberkärnten und Osttirol je erlebt hat.
Unter den Top 5 des Monats Mai finden sich am Dienstag nach Pfingsten an erster Stelle Lienz mit 33,3°C, auf Platz drei landete Dellach/Drau mit 32,0°C. Trotz dieser Hitzewelle – an verschiedenen Messstationen in Oberkärnten gab es sieben Hitzetag mit 30 und mehr Grad – landete der Frühling mit den Monaten März, April und Mai „nur“ auf dem dritten Platz der wärmsten Frühlinge seit dem Jahr 1851. Der Grund dafür liegt in dem beschriebenen Kälteeinbruch Mitte Mai, geht aus der Klimabilanz von „Tauernwetter“ hervor. „Das am 16. Mai war kein leichter Bodenfrost in einer Höhe von fünf bis zehn Zentimetern, wie er zu dieser Jahreszeit durchaus noch vorkommen kann, sondern ein Luftfrost, der zwei, drei Meter hoch reichte und es war insgesamt kälter als normal“, erklärt Mag. David Kaufmann.
Historische Trockenheit
Was sich in den letzten Monaten bereits abgezeichnet hat, ist nun Gewissheit: Die Trockenheit hat nicht nur an einzelnen Stationen, sondern im kompletten Flächenmittel von Kärnten und Osttirol einen Tiefstwert erreicht. Mit einer Abweichung von mehr als 50 Prozent unter dem üblichen Frühlings-Niederschlag war es das trockenste Frühjahr seit Beginn der flächendeckenden Wetteraufzeichnungen. „Es gab bereits seit Dezember weniger Niederschlag“, stellt Mag. Kaufmann von „Tauernwetter“ fest. In Summe gab es seitdem mancherorts, wie im Drautal oder in Großkirchheim, bis zu 70 % weniger Niederschlag. Die Auswirkungen davon sind mittlerweile im Alltag der Menschen angekommen und zeigen sich in Aufrufen zum Wassersparen und einer seit Jahrzehnten nicht mehr beobachteten Waldbrandgefahr durch ausgetrocknete Böden. Die niederschlagsärmsten Orte in Oberkärnten des gesamten heurigen Frühlings (März, April und Mai, Gesamtsumme) waren übrigens Döllach (55 mm), Gmünd (57 mm) und Obervellach (63 mm).
Ein Frühling als Weckruf
„Der Frühling 2026 hat uns in Kärnten und Osttirol eindrücklich vor Augen geführt, wie rasch und unerbittlich Wetterextreme mittlerweile aufeinander folgen Die Kombination aus Trockenheit, späten Kälteeinbrüchen und die noch nie dagewesene Mai-Hitzewelle ist mehr als nur eine statistische Randnotiz – sie verdeutlicht die zunehmende Dynamik und Verwundbarkeit unseres alpinen Lebensraumes“, stellt Mag. Kaufmann abschließend fest.