Die Austria Power Grid präsentierte in Greifenburg die Feintrassierung der geplanten 380 kV-Leitung von Lienz nach Obersielach, die man seit kurzem auch online einsehen kann. Die Zustimmung zu den Plänen der Leitungsbauer hielt sich in Grenzen. Die Projektwerber verweisen auf technische und naturschutzrechtliche Vorgaben.
Nach rund einem Jahr Planung liegt die Feintrasse für den „Netzraum Kärnten“ vor. Die rund 193 Kilometer lange 380-kV-Leitung soll von Lienz in Osttirol bis nach Obersielach bei Völkermarkt führen. Die Austria Power Grid (APG) präsentierte den nun detaillierten Trassenverlauf im Kultursaal Greifenburg. Die Zustimmung der anwesenden Bevölkerung hielt sich dabei in Grenzen. Projektleiter Wolfgang Hafner erläuterte gemeinsam mit einem Expertenteam aus Geologen, Trassierern und APG-Bereichsleitern die aktuelle Planung. Begrüßt wurden die Teilnehmer von Greifenburgs Bürgermeister Josef Brandtner, der gleich zu Beginn die Rolle der Gemeinde klarstellte: „Wir sind weder Projektwerber noch Projektbetreiber“, betonte er. Die Gemeinde trete lediglich als Behörde auf.
Trasse entlang bestehender Infrastruktur
Nach Angaben der APG wurden allein in Kärnten rund 500 Kilometer an möglichen Trassenvarianten untersucht. Insgesamt habe man einen 200 Kilometer-Verlauf detailliert geprüft. Rund 30 Experten seien dafür ein Jahr lang im Drautal unterwegs gewesen. „Sofern es technisch, topografisch und ökologisch machbar war, sind wir auf die Anregungen und Wünsche der Gemeinden und Bürger eingegangen“, erklärte Projektleiter Wolfgang Hafner. Wie bereits in früheren Projektvorstellungen bekräftigte Hafner die Notwendigkeit des Vorhabens und betonte den, dass der Strombedarf auch iin Kärnten in Zukunft steigen werde. Bei der Trassierung habe man versucht, sich möglichst an bestehender Infrastruktur zu orientieren. Die Leitung soll unter anderem entlang der Bahnstrecke, der Drautal Straße B 100 und der Tauernautobahn A 10 geführt werden. „Wir haben jetzt eine vernünftige Linie gefunden, die in die Landschaft hineinpasst“, sagte Hafner. Gleichzeitig räumte er ein, dass sich eine derart große Infrastruktur nicht vollständig verstecken lasse. Eine besondere Herausforderung stellen die naturschutzrechtlichen Vorgaben dar. Berücksichtigt werden muss vor allem das geschützte Natura-2000-Gebiet Obere Drau. Gerade dieser Bereich sorgte in Greifenburg für Unmut.
Naturschutz wichtiger als Anrainer
Im nur halb gefüllten Kultursaal machten mehrere Anrainer ihrem Ärger mit Zwischenrufen Luft. Besonders betroffen fühlen sich Bewohner von Pobersach. Eine alternative Trassenführung durch den Wald südlich der Drau sei laut APG aus geologischen Gründen nicht möglich, da dort keine sicheren Maststandorte geschaffen werden könnten. Auch die geplante Umfahrung Greifenburg habe Einfluss auf die möglichen Maststandorte. In bestimmten Bereichen müsse die Leitung deshalb weiter südlich geführt werden – und komme damit näher an Pobersach heran. Gleichzeitig verhinderten die Naturschutzauflagen eine Verlegung näher an die Drau. Vor allem der Vogelschutz sei ausschlaggebend. Eine Trassenführung in diesem Bereich wäre nach Darstellung der APG nicht genehmigungsfähig. Für die Anrainer bleibt dennoch die Frage nach den Auswirkungen auf das Landschaftsbild.
„Geringer Benefit für die Region“
Auch der Nutzen für die betroffenen Gemeinden wurde bei der Veranstaltung infrage gestellt. Eine junge Frau aus dem Publikum sprach von einem „geringen Benefit für die Region“. Die großen Stromverbraucher befänden sich schließlich vor allem im Zentralraum. Gleichzeitig stelle die 380-kV-Leitung einen erheblichen Eingriff in das Landschaftsbild dar. „Wir sind auch eine Bevölkerung. Wir haben auch eine Verpflichtung für die nächsten Generationen“, meldete sich ein betroffener Bürger aus Pobersach zu Wort. Gesundheitsbedenken gegen die geplante Hochspannungsleitung wurden von der APG bei der Veranstaltung nur kurz behandelt. Auch eine Erdverkabelung kommt für die APG nicht infrage. „Wir verbauen sicher keinen Meter Erdkabel“, versicherte Hafner.
UVP-Einreichung für 2028 geplant
Die nun präsentierte Feintrasse verläuft laut APG auf rund 25 Prozent der insgesamt 193 Kilometer außerhalb der ursprünglich festgelegten Grobtrasse. Visualisierungen, wie die zwischen 60 und 90 Meter hohen Masten künftig konkret in der Landschaft wirken werden, liegen den Gemeinden bislang noch nicht vor. Diese sollen laut Hafner erstellt werden, sobald die endgültige Planung feststeht. Bei den weiteren Informationsveranstaltungen will die APG vergleichsweise sparsam vorgehen. Man werde nicht in jede einzelne Gemeinde kommen, hieß es. Im November sollen in Kärnten insgesamt acht Informationsmessen für die betroffenen Grundeigentümer stattfinden. Diese werden persönlich eingeladen. Das Ziel der APG ist, im Jahr 2028 die Unterlagen für die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) einzureichen.