Der GeoPark Karnische Alpen bietet im Frühjahr 2026 Spannendes: Er rückt im Rahmen des Interreg-Projekts „Georisk“ das Thema „Erdbeben und Naturgefahren“ in den Fokus. Anlass ist die Erdbebenkatastrophe in Friaul vor 50 Jahren.
Am 6. Mai findet eine Gedenkfeier „50 Jahre Erdbeben von Friaul“ und Eröffnung der Sonderausstellung zum Thema Erdbeben und Naturgefahren statt. Verbunden ist dies mit einer Lesung von Esther Kinsky aus ihrem preisgekrönten Roman „Rombo“. Sie beschreibt das historische Ereignis in Friaul (1976) aus der Perspektive von Mensch-, Tier- und Pflanzenwelt in einer hochpoetischen, verdichteten Prosa. Am 9. Mai wird die Frühjahrstagung des Naturwissenschaftlichen Vereins Kärnten in Dellach/Gail mit Vorträgen zu Erdbeben abgehalten. Beleuchtet werden archäologische Spuren, historische und erdgeschichtlich „junge“ Erdbeben, ihre Ursachen und Konsequenzen fürs Gailtal sowie angrenzende Regionen. Am 20. Juni findet eine Wanderung zu den verlassenen Dörfen von Friaul, Moggessa di Là und Moggessa di Qua statt. Das grenzüberschreitende HEurOpen-Projekt (Italien – Österreich) „GeoRisk - Leben mit Erdbeben und hydrogeologischer Instabilität 50 Jahre nach dem Erdbeben von 1976“ erinnert an das Friaul-Beben und hat ebenso zum Ziel, Risiken durch Naturgefahren besser zu erkennen, zu bewerten und für die regionale Planung nutzbar zu machen - und das gemeinsam über Ländergrenzen hinweg. Es zeigt, wie lokale Akteure, Gemeinden und Initiativen durch Zusammenarbeit innovative Lösungen entwickeln können, um die Region besser zu schützen. Projektpartner sind die Comunità di montagna della Carnia (Cristina Agostinis), der GeoPark Karnische Alpen (Projektinitiatorin DI Gerlinde Krawanja-Ortner) und die Comunità di montagna del Gemonese (Giorgio Valent).
Todesopfer, Verletzte, Obdachlose
Das Projekt „Georisk“ verbindet Erinnerung und Zukunftssicherung - über Grenzen hinweg. Kurz zur Erinnerung: Es war am 6. Mai 1976 gegen 21 Uhr, als die Erde bebte. Friaul-Julisch Venetien wurde von Erdstößen erschüttert, die auf der Mercali-Skala die Stärke 8 bis 9 erreichten. Rund 1.000 Todesopfer und 3.000 Verletzte waren die schreckliche Folge, dazu kamen Zehntausende Obdachlose. In einem beispiellosen Großeinsatz rollte Hilfe aus ganz Österreich an: Rettungsfahrzeuge, Hilfsgüter, Feldküchen, Betten, Wasseraufbereitungsanlagen, Impfstoff usw. Zum GeoPark Karnische Alpen (www.geopark-karnische-alpen.at): er fußt auf ca. 80 erwanderbaren Geotopen und acht Geotrails sowie dem in Dellach im Gailtal gelegenen GeoParkzentrum (9635 Dellach/Gailtal 65), das sehr sehenswert ist. Hochengagierte Leiterin des GeoParks ist DI Gerlinde Krawanja-Ortner (GeoPark-Vereinsobmann ist Bgm. Johannes Lenzhofer). Der GeoPark bietet eine Zeitreise in 500 Mio. Jahre Erdgeschichte, zeigt Gesteine, Fossilien (Ur-Saurierfährten), Filme etc.
Zeugnisse der Erdgeschichte
Seit Beginn des 19. Jahrhunderts hat die Karnische Region Erdwissenschaftler aus allen Teilen der Welt angezogen. Tatsächlich gibt es kein anderes Gebiet in den gesamten Alpen, in dem so reiche Zeugnisse aus dem Erdaltertum erhalten geblieben sind. Zu den Naturschätzen gehören nicht nur Gesteinsformationen mit den darin enthaltenen Fossilien, sondern auch unzählige Naturdenkmale wie idyllische Bergseen, geheimnisvolle Klammen oder tosende Wasserfälle. Übrigens: Tektoniker aus Jena konnten nachweisen, dass die Periadriatische Störung (PAL) bis vor 250.000 Jahren große Erdbeben im Gail- und Lesachtal verursachte. Damit war die Störung länger aktiv als angenommen. Ein umfassendes Werk zu den Karnischen Alpen verfassten Hans Peter Schönlaub und Holger Forke („Das Geologische Erbe der Karnischen Alpen“, 2021).