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20. Mai 2026

Bauer: Top-Versorger oder Sündenbock?

Laut einer Umfrage im Auftrag der LK Kärnten halten die Kärntner die Bauern für die zweitwichtigste Berufsgruppe. Das Wissen über die Landwirtschaft wird jedoch immer geringer, auch kommt die Wertschätzung nicht im Kaufverhalten an. Auch werden die Bauern medial oft zu Sündenböcken stilisiert. Über diese Widersprüchlichkeit diskutierte eine erlesene Runde im Foyer der LK in Klagenfurt.

Diskutierten über das Bild der Landwirtschaft in der Gesellschaft: Markus Lukas (Obmann NTÖ), Agrarreferent LH-Stv. Martin Gruber, Johannes Mayr (Key-Quest Marktforschung) und LK-Präsident Siegfried Huber. Foto: LK Kärnten/Wajand

Die Landwirtschaft ist eine kleine Berufsgruppe geworden, nur mehr knapp über 3% der Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft beschäftigt und dadurch haben immer weniger Leute tatsächlich Kontakt zu einem Bauern. Trotzdem genießen die Bauern ein sehr positives Image und gelten laut einer Befragung im Auftrag der Landwirtschaftskammer als zweitwichtigste Berufsgruppe, die gleich nach den Ärzten genannt wurden. „Bäuerinnen und Bauern haben eine sehr hohe Bedeutung für die Gesellschaft und genießen auch sehr hohe Wertschätzung“, freut sich LK-Präsident Siegfried Huber über das Ergebnis, das im Rahmen eines Expertengespräches zum Thema „Bild der Landwirtschaft“ in Klagenfurt präsentiert wurde.

Medial oft Sündenbock

Die Bauern ernten viel Wertschätzung, besonders die Landschaftspflege und die krisensichere Versorgung mit hochqualitativen Lebensmitteln werden positiv wahrgenommen. Nur haben zwei Drittel der Kärntner wenig oder keinen Bezug mehr zur Landwirtschaft, sodass das Interesse daran sinkt. Ein Widerspruch zwischen Wahrnehmung und Wirkung zeigt sich auch im Kaufverhalten der Kärntner, wobei die Wertschätzung nicht immer gelebt werde, sondern am Ende der Preis vor Qualität und Herkunft der landwirtschaftlichen Produkte entscheide. Problematisch sei auch die mediale Berichterstattung über die Landwirtschaft, die als zu negativ wahrgenommen wird, sagte Marktforscher Johannes Mayr. In den öffentlichen Diskussionen werden Bauern häufig zu Sündenböcken gemacht, besonders bei Themen wie Tierwohl, Renaturierung oder dem Konfliktfeld Tierhaltung-Freizeitnutzung. Als aktuelles und tragisches Beispiel dient der Fall eines Angriffes einer Kuhherde auf ein Ehepaar in Osttirol, wodurch eine 67-Jährige während eines Spazierganges über eine Weide zu Tode kam.

Ehrlicher Blick in den Stall

Das Interesse der Bevölkerung an der Landwirtschaft sei aber weiterhin groß. Vor allem junge Menschen konsumieren Informationen in den sozialen Medien, die ein realistisches Bild der Landwirtschaft zeigen. „Wenn Bäuerinnen und Bauern selbst zeigen, wie Tierhaltung in Österreich funktioniert, entsteht Verständnis“, so Markus Lukas, Obmann der „Nachhaltigen Tierhaltung Österreich“, ebenfalls Diskussionsteilnehmer. Ein ehrlicher Einblick in den Alltag im Stall wecke Interesse an der bäuerlichen Arbeit. Die LK Kärnten hat angekündigt, eine Image-Kampagne pro Landwirtschaft zu starten mit dem Titel „Auf uns ist Verlass!“ und künftig noch stärker den Dialog mit der Gesellschaft zu suchen.

 

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