Der sogenannte „Veneterstein“, oberhalb von Mauthen auf der Missoria (auf 920 m; zwischen Mauthen und Würmlach), gehört zu den ältesten Schriftzeichen Österreichs. Ausgangspunkt für Wanderer ist der Parkplatz beim Waldbad in Mauthen, von hier kommt man über den neuen Theodor Mommsen-Weg zum Fundort dieser ältesten Schriftdenkmäler
Von Karl Brunner
Der geschichtsbewussten ÖAV-Sektion Obergailtal-Lesachtal (unter Obmann Sepp Lederer) gebührt Dank und Anerkennung dafür, ein wichtiges Kapitel der Geschichte des Tales, den fast in Vergessenheit geratenen „Veneterstein“, wieder bewusst und zugänglich zu machen. Denn die „Idee Veneterstein“ einer kleinen AV-Gruppe freiwilliger Mitarbeiter wurde – wie Obmann Sepp Lederer erklärt - im Sinne der Satzung umgesetzt, nämlich „die Kenntnisse über die Gebirge und ihre Umwelt zu erweitern und zu verbreiten und dadurch auch die Liebe zur Heimat zu pflegen sowie Wissenschaft und Forschung in diesem Bereich zu fördern“. Die Sektion dankt für das Zustandekommen des Projektes auch dem Grundbesitzer Mag. Jakob Luser. Große Schautafeln (mit Erläuterungen dreisprachig und Abbildungen) beim Waldbad-Parkplatz und beim „Veneterstein“ und der verbindende Mommsen-Themenweg (mit gelben Wegweisern gut ausgeschildert) wurden errichtet. Zudem wurde eine dreisprachige Broschüre (deutsch, englisch, italienisch) von der Sektion Obergailtal-Lesachtal (als Sonderausgabe der Mitgliederzeitung „Blickpunkt“) herausgegeben; Autor der informativen Abhandlung über die Schriftdenkmäler von der Missoria ist Dr. Thomas Lederer. Eine kurze Erklärung des Namens Mis(s)oria liefert Barbara Cinausero Hofer; es könnte so viel wie Ort oder Bereich auf einem ebenen Platz bedeuten.
Im Jahr 1857 entdeckt
Die Missoria (auch „Misoria“) ist ein Punkt in einem Netz von alpenquerenden Verkehrswegen von Italien nach Norden. Namen von Reisenden sind es, die sich in venetischer Schrift am Rastplatz verewigt haben, wie auf der Schautafel zu lesen ist. Weiters heißt es: Die Schrift lässt sich in einen Zeitraum zwischen dem 5. und dem 1. vorchristlichen Jahrhundert datieren. Die Veneter waren ein Volk im östl. Oberitalien und der Carnia, mit den Römern verbündet und seit Augustus in Italien eingegliedert. Im August 1857 stieß Theodor Mommsen im Zuge seiner Feldforschungen (für das Corpus inscriptionum Latinarum) auf den Veneterstein und berichtete darüber. Hinweise auf diese Fundstelle dürfte er wohl aus der sehr ortskundigen Bevölkerung erhalten haben. Der Altertumswissenschaftler Mommsen war einer der bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit, 1902 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Die Inschriften des „Venetersteins“ wurden 1884 durch den Zoologen und Anthropologen Adolf Bernhard Meyer (Dresden) und den Mauthner Oberlehrer Franz Carl Keller aus dem dortigen Felsen geschnitten und befinden sich heute im Landesmuseum in Klagenfurt. Übrigens: Der „Via Iulia Augusta“-Kultursommer 2026 macht im Rahmen seiner Veranstaltungsreihe auch beim „Veneterstein“ Station, wo am 25. Juli ein „Musikpicknick“ (mit „Großmütterchen Hatz“) steigen wird. Vor der Wanderung zum „Veneterstein“ erfolgt die Einweihung des Theodor Mommsen-Weges und im AV-Zentrum/Centrum Carnicum werden Dr. Thomas Lederer und Prof. Ortolf Harl historisch-archäologische Vorträge zum Themenbereich Veneterstein halten. Für den 26. Juli ist der 1. Berg- und Tallauf und Nordic Walking „Mommsen-Lauf zum Veneterstein“ (Start und Ziel: ÖAV-Freizeitpark) geplant. Sehr erfreulich, dass der AV Obergailtal-Lesachtal auch im Bereich Geschichte und Aufklärung so wegweisend engagiert ist.