Kustos der Anatomischen Schausammlung an der Anatomischen Anstalt der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) ist der Anatom und Hochschullehrer Univ.-Prof. Dr. med. Reinhard Putz aus Mauthen. Von 1989 bis 2007 war Putz Vorstand der Anatomischen Anstalt (LMU) in der Pettenkoferstraße in München.
Von Karl Brunner
Die LMU gehört zu den größten und forschungsstärksten Universitäten Europas. Die Anatomische Anstalt der LMU mit ihren drei Lehrstühlen besitzt als große Besonderheit auch eine Anatomie-Schausammlung. Prof. Reinhard Putz (Jg. 1942) wurde zunächst zum Volksschullehrer ausgebildet, wendete sich aber dann der Medizin zu. Er studierte an der Uni Innsbruck Medizin, promovierte dort und 1979 erfolgte die Habilitation am Anatomischen Institut der Universität Innsbruck. Er war als Professor in München und Freiburg tätig, dann ab 1989 rund 20 Jahre lang Vorstand der LMU-Anatomie. Kurz gesagt: Der Gailtaler Anatom hatte seine Forschung auf alles konzentriert, was mit Knochen und Gelenken zu tun hatte. Großes Interesse schenkte er u.a. der klinischen Anatomie sowie der Hochschuldidaktik. Für seine Arbeiten und Leistungen erhielt Putz auch internationale Anerkennung und hohe Auszeichnungen.
Ein Architekturjuwel
Mit der LMU und der Anatomie sehr verbunden, betreut er nach wie vor die europaweit in Umfang und Systematik einmalige Anatomie-Schausammlung, deren Wurzeln ins frühe 19. Jhd. reichen. Nicht nur deren Neugestaltung lag in seinem Aufgabenbereich, sondern auch die Generalsanierung bzw. Modernisierung der Anatomischen Anstalt, deren Anfänge auf die Jahre 1905 bis 1907 zurückgehen. Er freut sich, dass es gelungen ist, die historische Bausubstanz zu retten und diese mit einem modernen Zubau behutsam zu ergänzen.
Eine fachkundige, detailreiche Führung von Prof. Putz durch das Gebäude macht auch dieses 1905 bis 1907 errichtete, längst denkmalgeschützte Architekturjuwel mit seinem eigenen Ambiente und altem Glanz deutlich und gleichsam spürbar. Es ist bekannt als erster Eisenbetonbau dieser Größenordnung in Deutschland. Besonders eindrucksvoll ist das Foyer, in dem eine Sphinx den Treppeneingang bewacht. Im Foyer ist auch der Zugang zur anatomischen Schausammlung. Als Kunstliebhaber lädt Prof. Putz zuvor noch zur Betrachtung des berühmten großen Rembrandt-Bildnis „Die Anatomie des Dr. Tulp“ ein, das als exzellente Kopie im Obergeschoss hängt.
Begeistert erklärt er die Objekte der auch öffentlich vielbeachteten Schausammlung und weiß viel(e) Geschichte(n) dazu. Ob Kopf, Arm, Nervensystem, Rumpf, Verdauung – der ganze Mensch eben in seinen zahllosen „Einzelteilen“ wurde hier modellhaft und didaktisch eindrücklich aufbereitet – für Studenten und auch für interessierte Besucher (für sie gibt es montags freien Zugang).
Ort der Reflexion
Die Sammlung enthält neben aktuellen anatomierelevanten Schaustücken eine große Zahl von historischen Präparaten und Modellen. Vieles wird durch Vergleiche für die Studenten besser vorstellbar oder verständlich; so werden neben den gesunden auch einige geschädigte Organe gezeigt. Insgesamt geben mehr als 2.000 Schaustücke und Bilder eine systematische Übersicht über sämtliche Organe des menschlichen Körpers und - zu Vergleichszwecken und zum Verständnis der Evolution - eine Reihe tierischer Skelette. Die Ausstellung wird abgerundet durch eine Übersicht über modernste bildgebende Verfahren, die (mit via Computerarbeitsplätzen) einen klinisch-praktischen Blick auf unseren Körper erlauben. Als Laie staunt man anhand der vielen und vielfältigen Präparate, Schnitte und der historisch wertvollen Modelle und sieht überrascht, wie wenig man über die innere und äußere Gestalt des Menschen und seine individuelle Verschiedenheit weiß, also über sich selbst. Kustos Prof. Putz versteht es, die Faszination über diese Schausammlung fachspezifisch und allgemeinverständlich zu vermitteln: „Sie ist immer auch ein Ort der Reflexion von ethischer Verantwortung und Besinnung auf das persönliche Menschsein“.
Zwar in Innsbruck geboren verbrachte Reinhard Putz die ersten vier Lebensjahre bei seiner Großfamilie väterlicherseits in Mauthen. Nach Beeindigung seiner beruflichen Tätigkeit kehrte Prof. Putz 2010 wieder in sein altes Haus nach Mauthen zurück. Von hier pendelt er immer wieder nach München.
Karl Brunner