Die Volksschule Obervellach nimmt mit drei weiteren Kärntner Volksschulen einem Pilotprojekt der Wirtschaftskammer teil, das Kinder schon früh für Forschung und Technik begeistern soll. Die Wirtschaft erhofft sich – auf lange Sicht – davon auch einen Lenkungseffekt am Arbeitsmarkt, denn hochqualifizierte Techniker-Jobs werden immer gefragter.
„Spürnasen Primary“ – so heißt das Pilotprojekt auf Initiative der Sparte Industrie der WK Kärnten. An vier Kärntner Volksschulen – Obervellach, St. Andrä, Liebenfels und Klagenfurt – sollen sich die Schüler mit Unterstützung der WK stärker den MINT-Fächern widmen. „MINT“ beschreibt dabei die Wissensgebiete Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Ein von der WK Salzburg entwickeltes Konzept wurde hier auf Kärnten übertragen und kürzlich an der VS Spitalberg in Klagenfurt vorgestellt. Den Kindern wird im Rahmen des Unterrichts ein spielerischer Zugang zu diesen Lerninhalten, die in der Wirtschaft hochgefragt sind, ermöglicht. „Spürnasen Primary“ versorgt insgesamt 677 Schüler von der ersten bis zur vierten Schulstufe mit aufbereiteten Lerninhalten. Zum Einsatz kommen umfangreiche analoge und digitale Forscher-Materialien: Experimentiergeräte, Messinstrumente, technische Baukästen, Mikroskope... Ergänzt wird das Angebot durch eine speziell entwickelte Lern-App, mit der Beobachtungen dokumentiert werden können.
Macht den Kindern Spaß
Am Pflichtschulcluster Obervellach, zu dem die teilnehmende VS Obervellach gehört, beschäftigt man sich schon seit zwei Jahren mit den MINT-Schwerpunkt. In der Mittelschule gibt es MINT-Klassen mit mehreren Stunden pro Woche, in der Volksschule wird der MINT-Schwerpunkt in den Regelunterricht integriert, z. B. in Werkunterricht, erzählt die MINT-Beauftragte Andrea Angermann, die zuvor an der VS Mallnitz tätig war und dort bereits einen MINT-Schwerpunkt mitaufgebaut hat. Für die Lehrer bedeutet das natürlich weitere fachliche Fortbildung, aber wie sieht das im Unterricht aus? „Wir haben eine MINT-Ausrüstung vor Ort - ein Wagerl mit speziellen Unterrichtsmaterialien, das man in die Klasse schieben kann. Die Schüler machen damit langsame, kleine Schritte in die Welt der Technik von der ersten Klasse an. Für sie ist es spannend, abwechslungsreich und es macht ihnen Spaß“, so die Pädagogin. MINT soll helfen, bei den Kindern die Neugier an Forschung, Technik und Wissenschaft zu wecken. „Die Firmen suchen verstärkt Fachkräfte. Insbesondere in der Zukunft werden diese Kompetenzen gefragt sein“, weiß Angermann.
Kärntenweit ausrollen
Die Wirtschaftskammer will höher qualifizierte Berufe und dass sich auch Mädchen für diese Bereiche interessieren. „Wir wissen, dass Berufs- und Ausbildungsentscheidungen nicht erst am Ende der Schulzeit getroffen werden“, sagte Kärntens WK-Präsident Mandl bei der Präsentation. MINT-Kompetenzen schaffen bessere Voraussetzungen für Lehre, weiterführende Schulen oder ein technisches Studium. Davon profitiere auch der Wirtschaftsstandort. Für Bildungsdirektorin Isabella Penz haben MINT-Fächer „einen besonders hohen pädagogischen Mehrwert und bringen auch Mädchen verstärkt in die Technik. Die WK will das als Pilotprojekt gestartete „Spürnasen Primary“ künftig kärntenweit ausrollen. In den kommenden Wochen wird dazu im Testcenter Carinthia (Klagenfurt) eine eigene „Spürnasen-Primary“-Ecke eingerichtet. Ziel ist es, Volksschulen gezielt anzusprechen und einzuladen, sich vor Ort ein Bild von diesem Projekt zu machen und es auch selbst auszuprobieren.