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12. März 2026

Theresa Beitl

Theresa Beitl (63) stellt die Kuh ins Zentrum ihrer künstlerischen Arbeit. Von 1995 bis 2001 studierte sie Malerei und Kunst im Kontext in Berlin an der Universität der Künste, mit Abschluss. 2006 bis 2025 arbeitete sie in einem internationalen Atelierhaus des Berufsverbandes Bildender Künstler in Berlin-Wilmersdorf. 2008 wurde sie Preisträgerin des Benninghaus-Kunstpreises für Malerei – Verein Berliner Künstler, Berlin. Seit 14. März – tags zuvor fand die Vernissage statt – bis 17. April sind aktuell Arbeiten aus der Reihe „Caput Bovis“ in der Galerie des Schloss Porcia in Spittal zu sehen. Ihr künstlerischer Weg führte sie seit 2012 (Internationales Gastatelier der Künstlerstadt) regelmäßig nach Gmünd. Dort lebt sie seit vorigem Jahr und ist auf der Suche nach Räumlichkeiten für ihre Malerei.

Theresa Beitl im Jahr 2025 – als sie die Saison über ihre KUHNSTgalerie in der Hinteren Gasse in Gmünd geführt hat.

OVT: Frau Beitl, was erwartet aktuell die Besucher im Schloss Porcia? Wie bringen Sie den Lesern ihre Arbeiten der Serie „Caput Bovis“ näher?

Theresa BeitlDie Ausstellung führt die Besucher in den Salamanca-Keller des Schloss Porcia – ein fünf Meter hohes Gewölbe aus groben Flusssteinen, das eine beinahe archaische Atmosphäre ausstrahlt. In diesem besonderen Raum begegnen sie großformatigen Arbeiten auf Leinwand aus meiner Reihe „Caput Bovis“. Aus dunklen, übereinander-fließenden Farbschichten treten hier Rinderschädel hervor. Die Köpfe erscheinen nicht als anatomische Studien, sondern als kraftvolle Bilderscheinungen. Sie wirken monumental, zugleich aber auch verletzlich und fragil und können irritieren. Die reduzierte Farbigkeit und das In- und Übereinanderlaufen der Acrylschichten verleihen den Bildern eine intensive, meditative Stimmung. 

Ihre Wurzeln reichen ja großväterlicherseits vom steirischen Ennstal über Nordtirol bis ins Montafon nach Vorarlberg – ist Oberkärnten jetzt ein bisschen wie „Heimkommen“?

Nach vielen Jahren in Berlin ist es ein besonderes Gefühl, hier in Kärnten zu leben und zu arbeiten. In der Großstadt war mein Leben geprägt von Energie, Tempo und der intensiven Arbeit an meiner Malerei. Doch vieles von dem, was mich geprägt hat, liegt eigentlich hier – in der Landschaft, in den Geschichten meiner Familie väterlicherseits.

In Oberkärnten spüre ich diese Wurzeln stärker als irgendwo sonst. Die Nähe zur Natur, die Ruhe der Berge und Täler und die besondere Atmosphäre der Region geben mir ein Gefühl von Vertrautheit. Die Gespräche mit den Menschen hier berühren mich. Es ist, als würde sich ein Kreis schließen. Dieses Heimkommen bedeutet für mich nicht nur Rückkehr, sondern auch Neubeginn – als Künstlerin und als Mensch.

Wie sehen Sie die Mentalitätsunterschiede zwischen Berlin und Kärnten? Gibt‘s eventuell schon Wörter, die sie im Kärntnerischen mögen?  

Ja, die Unterschiede spüre ich durchaus. Berlin ist eine große, sehr direkte Stadt. Die Menschen sagen oft sofort, was sie denken, und das Tempo des Lebens ist hoch. In Kärnten empfinde ich vieles als ruhiger und verbindlicher. Beziehungen entstehen langsamer, auch prägt die Nähe zur Natur die Lebenshaltung. Man nimmt sich eher Zeit für Begegnungen und Gespräche. Für mich persönlich sind beide Welten sehr wertvoll. Ich liebe das Kärntner Wort „lei“, z. B. in der Redewendung „tuasleilafnlosn“.

Wie kamen Sie nun letztlich auf die Kuh, bezüglich Ihres Tuns?   

Mein künstlerisches Thema, die Kuh, hat sich nicht aus einer theoretischen Idee entwickelt, sondern aus einer Begegnung. Mich hat von Anfang an die Präsenz dieser Tiere, die ich seit meiner Kindheit kenne, fasziniert – ihre Ruhe, ihre Kraft und ihre ganz eigene Persönlichkeit. Wenn man ihnen wirklich Zeit widmet, merkt man schnell, dass keine Kuh der anderen gleicht. Vor ca. 20 Jahren wollte ich die Kuh als energetische Kraft in die Großstadt bringen. Mein erstes Kuh-Bild wurde mir quasi aus den Händen gerissen und ich erkannte, dass dieses Thema viele Menschen anspricht.

Wo holen Sie sich neue Ideen, was inspiriert Sie? 

Viele meiner neuen Ideen entstehen nicht im Atelier, sondern draußen, bei den Bauern, den Tieren und auf den Höfen. Ich besuche Landwirte in der Region, verbringe Zeit bei den Tieren und beobachte sie ganz unmittelbar. Dieser direkte Kontakt ist für meine Arbeit sehr wichtig und oftmals ein Initial. Dabei entstehen auch immer wieder Fotos, um sich an besondere Situationen und Details im Atelier präziser erinnern zu können. 

Auf welche Techniken greifen Sie gern zu? 

In meiner Malerei arbeite ich mit vielen übereinandergelegten Farbschichten, überwiegend in Acryl. Die Bilder entstehen in einem länger währenden Prozess des Auftragens, Übermalens und wieder Freilegens. So wächst das Motiv langsam aus der Farbe heraus. Gleichzeitig interessiert mich die emotionale Kraft der Farbe. In dieser Hinsicht fühle ich mich Künstlern wie Vincent van Gogh oder Franz Marc nahe, die Farbe nicht nur als Darstellungsmittel, sondern als Ausdruck innerer Empfindung eingesetzt haben. Auch das Arbeiten in Schichten und das Überlagern von Bildräumen hat für mich eine große Bedeutung – etwas, das man in der Malerei von Anselm Kiefer sehr eindrucksvoll erleben kann. Und schließlich spielt das Tiermotiv selbst eine wichtige Rolle in der Kunstgeschichte, etwa bei Joseph Beuys, der dem Tier eine besondere symbolische und spirituelle Dimension gegeben hat.

Welche Materialien bevorzugen Sie?

Ich arbeite seit vielen Jahren bevorzugt mit Acrylfarben. Sie erlauben mir, spontan auf Eindrücke und Stimmungen zu reagieren. Für meine vielschichtige Malerei eignet sie sich besser als andere Farben. 

Welchen Wunsch haben Sie abseits Ihres künstlerischen Tuns? 

Für mich ist innere Freiheit ein zentrales Thema – die Möglichkeit, mich von alten Mustern zu lösen und jeden Tag offen und neu zu erleben. Ich träume von einem Rückzugsort in den Bergen, nahe einem klaren See und umgeben von freilebenden Tieren. In dieser Ruhe einer lebendigen Natur entsteht Raum für neue Gedanken, neue Bilder und meine künstlerische Arbeit.

Und wie gefällt Ihnen der Oberkärntner Volltreffer?

Ich habe den „Oberkärntner Volltreffer“ bereits einige Male mit großem Interesse gelesen. Die vielfältigen Beiträge und die persönliche, lebendige Berichterstattung haben mich sehr angesprochen.

Kurz gefragt:

Theresa Beitl (Gmünd)

Bildende Künstlerin  (Malerei)

Sternzeichen: Wassermann

Ich höre gern (Musik): 
80er-Jahre-Oldies, Natur-Jodeln

Leibgericht: Spinatknödel

Lieblingsfarbe: alle, je nach Stimmung

Glücksbringer:eine Kuh, möglichst mit Hörnern